Überforderung bei Müttern – Ist doch klar, oder?

Überfordert

Gestern sagte jemand zu mir, es sei ja kein Wunder, dass ich überfordert sei. Geschieden, mit drei Kindern und einem Job sei das ja auch logisch.

Ist das so? Ist man, einfach aus dem Grund heraus, dass man mehr als die durchschnittlichen 1-2 Kinder hat und trotzdem arbeitet, gleich automatisch überfordert?

Geäußert wurde dieses Vorurteil von jemandem, der mich nicht kannte. Oder besser gesagt, der mich in einer stressigen, nicht-alltäglichen Situation bis zu dieser Aussage vielleicht 2,5 Stunden gesehen hatte. Dennoch dachte dieser Mensch, sich dieses Vorurteil erlauben zu können. Es sei doch offensichtlich…

Ich selber fühle mich keinesfalls überfordert. Hätte man mich vor, sagen wir mal, 9 Jahren gefragt, als ich mit drei kleinen Kindern zu Hause saß, mit einem Mann, der aus beruflichen Gründen größtenteils nur am Wochenende zu Hause war, ich hätte unumwunden zugegeben, dass ich unglaublich gestresst sei. Drei Kinder mit knapp 5 Jahren, knapp 2,5 Jahren und 1 Jahr zu betreuen und dabei allen gerecht zu werden, ist ein Spagat. Dabei noch unter der Woche 24 Stunden alleine zu sein, macht es natürlich nicht leichter.

Überfordert

Diese anstrengendste Phase mit den Kindern ist aber längst vorbei. Sie sind inzwischen so groß, dass sie absolut unaufwendig sind – auch dank Attachment Parenting. Die Jüngste ist 10, ihr Bruder ist 12 und die Große wird bald 14 – da bin ich fast froh, wenn sie mich noch für irgendwas brauchen. 😉

Vor neun Jahren, als die Kinder noch klein waren, habe ich nicht gearbeitet, sondern war voll und ganz für die Kinder da. Das hat sich ausgezahlt. Die enge Bindung und die Sicherheit, die sie in diesen ersten Jahren erhalten haben, machen sie zu jetzt unglaublich sicheren und selbstständigen jungen Menschen. Sie hatten nie Probleme, sich von mir zu lösen und dennoch eine enge Bindung zu mir zu bewahren.

Angefangen zu arbeiten habe ich ganz langsam, nachdem die Jüngste in den Kindergarten gekommen war. Die erste Zeit, die sie dort verbracht hat, habe ich vor allem genossen, Zeit für mich zu haben, während alle Kinder gut betreut waren. Dann fing ich an, kleinere Übersetzungsarbeiten für einen kleinen, aber feinen Verlag zu machen. Wenig Arbeit, wenig Geld, aber das machte gar nichts, das war völlig in Ordnung so.

Je älter die Kinder wurden, desto mehr konnte ich auch meine dadurch entstehenden Freiräume nutzen, um an meiner Karriere zu basteln. Absichtlich entschied ich mich, Herzensprojekte zu verfolgen statt mich einem Bürojob zu verpflichten. Meine Arbeit macht mir Spaß und ich freue mich jedes Wochenende schon auf den Montag. Ich mache jeden Tag genau die Dinge, die ich liebe und bekomme Geld dafür. Das hilft durchaus gegen Stress und Überforderung, auch wenn meine Tage manchmal vollgepackt sind und ich abends erledigt ins Bett falle. Es ist ein positives erledigt!

Ich arbeite absichtlich freiberuflich, auch wenn es ein höheres finazielles Risiko ist. Was die Vorteile angeht, kann ich mich dem Artikel von Gudrun auf frei-frau-und.de „Freiberuflich mit Kindern? Na klar!“ vollumfänglich anschließen. Ich kann mir jederzeit meine Arbeit selber einteilen, wie es in unser Familienleben passt. Ich habe die Freiheit, auch mal einen Auftrag abzulehnen, weil er zeitlich nicht passt. Als Freiberuflerin ist es kurz gesagt leicht, Familie und Beruf zu vereinbaren, deutlich leichter als wenn ich einen „normalen“ 9-to-5-Job hätte – und anders als mit dieser Vereinbarkeit kann ich mir Familienleben für mich selbst auch nicht vorstellen.

Nebenher machte ich, während die Kinder weiter immer selbstständiger wurden, ein Fernstudium. Innerhalb kürzester Zeit und mit sehr guter Note. Ich erweiterte damit mein Arbeitsspektrum um einen weiteren Aspekt, der mir Spaß machte und um weitere Herzensprojekte. Und derzeit erfülle ich mir meinen langgehegten Jugendtraum und mache ein Fernstudium als Journalistin. Ich engagiere mich in mehreren Projekten ehrenamtlich, einfach weil ich es kann und weil ich es will.

Fragt man jemanden, der mich länger als 2,5 Stunden kennt, kommt sicher von niemandem auch nur annähernd der Eindruck zurück, dass ich überfordert sei. Ich habe mal nachgeschlagen und Symptome von Überforderung gesucht. Kaum eines trifft auch nur im Ansatz auf mich zu. Im Gegenteil, ich bin nicht reizbar, ich bin stets guter Dinge, fröhlich gelaunt, positiv, hab für fast alles eine Lösung, versinke weder in Stress noch Chaos. Es ist hier nahezu immer sogar aufgeräumt, ich bin bei allen Arbeiten pünktlich und zuverlässig. Keine Spur von Überforderung. Dennoch habe ich den Stress-Test der Techniker Krankenkasse gemacht. Auch hier: Kein Anzeichen von Überforderung – und ja, ich habe alle Antworten wahrheitsgemäß gegeben.

Nun frage ich mich allen Ernstes, wie dieser Mensch gestern zu seinem Urteil kam. Ich kenne über das Netzwerk Mompreneurs viele andere Beispiele äußerst erfolgreicher Mütter, die sicherlich nicht alle von ihrer Doppelbelastung überfordert sind. Ergibt sich eine automatische Überforderung vielleicht erst ab dem dritten Kind? Wirkt das in der Gesellschaft so? Ist das das allgemeine Bild, das man von Müttern hat?

Dieses Vorurteil gestern lässt mich ein wenig ratlos zurück. Wie geht es euch?

 

Veröffentlicht von Bianka

Bianka Bensch, 38 Jahre alt, schreibt als leidenschaftliche Bloggerin neben Attachment Parenting unter anderem einen privaten Blog und den Firmenblog eines Auftraggebers. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten draussen in der Natur mit ihren drei Kindern und ihrem Hund.

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