Stillen und Zahngesundheit – von Janna L. Cataldo, MD

(aus Wellstart International, 15. Juli 1998)

Ausschließliches Stillen ist die bevorzugte Methode der Kinderernährung in den ersten sechs Lebensmonaten, und weitergehendes Stillen im ersten Jahr und in das zweite Lebensjahr hinein bringt eine Vielzahl von Vorteilen für Mutter und Säugling mit sich. Sowohl die American Academy of Pediatrics (AAP – Amerikanische Akademie für Kinderheilkunde) und die American Academy of Pediatric Dentistry (ADA – Amerikanische Akademie für Kinderzahnheilkunde) haben als vorrangiges Ziel die Förderung optimaler Gesundheit von Kindern. Der Problemkreis von Zahnkaries bei Säuglingen und kleinen Kindern beschäftigt sowohl Kinderärzte als auch Kinderzahnärzte. Bei der Diskussion von Zahnkaries bei Kindern zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen ungeeignetem Fläschchengebrauch (anhaltende Benutzung der Flasche, sie den ganzen Tag im Mund umhertragen und mit ihr ins Bett gebracht werden) und einem gesteigerten Vorkommen von Karies an den oberen Schneidezähnen beginnend an den glatten Oberflächen. Dies wurde verschiedentlich als Nuckelkaries (nursing caries), Babyflaschen-Zahnfäule und frühkindliche Karies bezeichnet. Wie auch immer, in der Diskussion um das Stillen ist die Verbindung nicht so klar zu erkennen. Ein Streit ist in den letzten 20 Jahren darüber ausgebrochen, ob uneingeschränktes Stillen während der Nacht oder verlängertes Stillen über 12 Monate hinaus, ebenfalls Ursachen für „Nuckelkaries“ in ähnlicher Weise wie „Babyflaschen-Zahnfäule“ sind. Eine Durchsicht der gegenwärtigen Literatur gibt uns ein besseres Verständnis dieses Problems.

Nuckelkaries wird verursacht durch die Fermentation von Zucker aus Flüssigkeiten, die das Kind erhält, durch Bakterien, die im Mund vorkommen. Es wurde nachgewiesen, dass das Bakterium „streptococcus mutans“ in viel höherer Konzentration im Mund von Säuglingen und Kindern mit Karies vorkommt als bei jenen ohne Karies. Das „streptococcus mutans“-Bakterium wird hauptsächlich durch die Mutter auf das Kind übertragen. Die Mütter mit dem höchsten Vorkommen von „streptococcus mutans“ und normalerweise einer eigenen Karieserkrankung sind hier am meisten betroffen. Darüber hinaus, gibt es andere genetische Faktoren, die einen Säugling anfällig machen für Karies. Die Forschung betreffend Zahnkaries bei Erwachsenen zeigte, dass einige Faktoren, die im Speichel vorkommen, Schutz bieten könnten. Diese schließen Faktoren mit ein, die ein geringeres Bakterienvorkommen bewirken und deren geringere Haftung an Zahnoberflächen sowie Plaque-pH-Regulation, um die Zerstörung des Zahnschmelzes zu hemmen. Das Fehlen dieser Substanzen steht in Zusammenhang mit einem höheren Vorkommen von Zahnkaries. Das Auftreten von frühkindlicher Karies scheint auch signifikant abzuhängen von Rasse, Kultur und sozioökonomischem Status.

In Studien, die flaschengefütterte und gestillte Babys vergleichen, wurde herausgefunden, dass flaschengefütterte Babys insgesamt ein höheres Vorkommen an Karies haben. Dies wurde dem Flasche-selber-halten zugeschrieben sowie dem Umstand, dass eine Flasche mit Säuglingsnahrung, Milch oder Saft mit ins Bett gegeben wird. Dennoch wurde „Nuckelkaries“ auch bei vollgestillten Babys gefunden, die nie eine Flasche bekommen haben. Wie kann dies geschehen?

Von Säuglingen, die bei ihrer Mutter schlafen und die ganze Nacht lang stillen, wurde berichtet, dass sie ein höheres Risiko haben, an Nuckelkaries zu erkranken. Während des aktiven Nuckelns hat das gestillte Baby die Brustwarze an der Verbindung von weichem und hartem Gaumen, die Zunge füllt den Mundraum aus und es ist sehr wenig Milch, wenn überhaupt,  nach dem Schlucken vorhanden . Es ist wichtig zu bedenken, dass vereinzelte Brustmahlzeiten nachts zusätzlich zu tagsüber in den ersten Lebensmonaten unverzichtbar sind, um eine gute Milchversorgung zu erreichen und ein ausreichendes Wachstum des Säugling zu sichern. Wenn das Baby an der Brust einschläft, zieht sich die Brustwarze aus dem Mund heraus. Wenn die Mutter auch schläft und das Baby die Brust nicht komplett aus dem Mund heraus lässt, kann sich Milch im Mund des Babys sammeln, die in Kontakt mit der inneren Oberfläche der oberen Schneidezähne kommen kann. Zusätzlich kommt es während des Schlafs zu einer Abnahme der Speichelproduktion, was zu einer geringeren Verdünnung der Milch führt. Bei einem Baby, in dessen Familie Karies und ein hoher Anteil von „streptococcus mutans“ vorkommt, kann dies zu starker Nuckelkaries führen.

Andere zuträgliche Faktoren, die in den meisten Artikeln zu Karies bei gestillten Babys nicht genannt werden, sind, was den Rest der Ernährung des Babys ausmacht, da die meisten Babys mit Karies älter als 12 Monate sind, ob Fluorzusätze gegeben werden und wie die Hygienepraktiken in der Familie des Babys sind. Es gibt keine guten Studien, die gestillte Babys vergleichen, die sowohl eine angemessene Ernährung und exzellente Hygienepraktiken als auch das Vorkommen von „streptococcus mutans“ und Karies in der Familie aufweisen. Bevor wir sagen, dass das Nachtstillen ein Problem ist, müssen wir alle Faktoren beachten, die in allen Fällen auftreten und die Stillbeziehung so viel wie möglich beibehalten.

Zusammenfassend sei gesagt, es ist wahr, dass einige gestillte Babys Nuckelkaries haben. Dennoch, das Stillen an sich muss nicht eingestellt werden, um spätere Karies zu vermeiden. Weitergehende Forschungen werden benötigt, bevor wir jemals zu einem Elternteil sagen können, sie müssen aufhören zu stillen, weil der Säugling Karies hat, da wir von Fallstudien wissen, dass spätere Karies vermieden werden kann während das Stillen fortgeführt wird. Die folgenden Schritte sind empfohlen:

– Stillen als die bevorzugte Methode der Säuglingsernährung
– Ausschließliches Stillen für die ersten 6 Lebensmonate, und weitergehendes Stillen mit angemessener Einführung von festen Nahrungsmitteln für den Rest des ersten Lebensjahres und in das zweite Jahr hinein
– angemessene Beachtung der Zahnhygiene ab dem ersten Zahndurchbruch
– frühe Zahnuntersuchung bei Säuglingen mit Karies in der Familie (6 bis 12 Monate alt) mit regelmäßigen Kontrollen
– niemals dem Baby erlauben, die Flasche selber zu halten
– niemals dem Baby erlauben, mit einer Flasche, die etwas anderes als Wasser enthält, ins Bett zugehen
– Zahnuntersuchungen für Kinder, in deren Familie keine Karies vorkommt, sollten mit 12 Monaten beginnen
– Stillen in der Nacht sollte nicht ununterbrochen sein und das Baby sollte von der Brust weggenommen werden, wenn die Mahlzeit beendet ist
– Die Fluorempfehlungen der AAP und ADA sollten eingehalten werden

Wenn all diese Schritte befolgt werden, wird es sehr viel gesündere Säuglinge geben.

Veröffentlicht von Bianka

Bianka Bensch, 38 Jahre alt, schreibt als leidenschaftliche Bloggerin neben Attachment Parenting unter anderem einen privaten Blog und den Firmenblog eines Auftraggebers. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten draussen in der Natur mit ihren drei Kindern und ihrem Hund.

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