Montags-Hausis als Hausaufgaben fürs Leben #HausaufgabenfuersLeben

Hausaufgaben fürs LebenHausaufgaben sind wohl in nahezu jeder Familie mit schulpflichtigen Kindern ein Thema. Bei meinen eigenen drei Kindern schaut es ganz unterschiedlich aus. Während die Mädels von Anfang an eher pflegeleicht waren und Hausaufgaben als notwendiges Übel einfach mehr oder weniger freudig gemacht haben, hat mein Sohn sich eine ganze Weile komplett verweigert. Inzwischen sind sie allesamt an der weiterführenden Schule. Die Große (15 Jahre, 9. Klasse Gymnasium) macht ihre Hausaufgaben komplett selbstständig und ohne dass ich jemals was sagen oder eingreifen müsste. Der Mittlere (13 Jahre, 7. Klasse Realschule) macht weiterhin nur wenig Hausaufgaben, wobei es ihm und seinen Mitschülern von den Lehrern meist freigestellt ist, Hausaufgaben zu machen oder nicht – man darf nur nicht lügen, wenn man gefragt wird, ob man sie gemacht hat oder nicht. Die Jüngste (11 Jahre, 6. Klasse Gemeinschaftsschule) hat Ganztagsschulbetrieb und keinerlei Hausaufgaben mehr zu machen, wenn sie gegen 16 Uhr nach Hause kommt.

Hausaufgaben fürs Leben

Ich persönlich finde das Modell beim Mittleren am besten. Wer das Gefühl hat, etwas noch üben zu wollen oder zu müssen, macht Hausaufgaben. Wer meint, in der Schule bereits alles verstanden und ausreichend geübt zu haben, lässt sie weg. Vor den Klassenarbeiten werden Tests geschrieben und so sehen Lehrer und Schüler, wer noch Übung nötig hat und in welchem Bereich. Ich denke, genau so sind Hausaufgaben auch sinnvoll, was den Schulstoff und dessen Aufarbeitung betrifft.

Fürs Leben lernen sie damit zumindest inhaltlich aber auch nichts. Ganz anders hat es die Lehrerin in der Grundschule bei einer Freundin und deren Tochter gemacht. Sie erfand die sogenannten „Montags-Hausis“. Wie es dazu kam und was genau diese tollen Hausaufgaben sind, erzählt sie in einem Gastbeitrag zur Blogparade „Hausaufgaben neu denken: Blogparade #HausaufgabenfuersLeben“ von Frau Mutter…

Montagshausis oder Das Hausaufgabendilemma erleichtert

Hausaufgaben war bei uns schon ab der 1. Klasse ein Reizwort. Ich habe mich also bei der Lehrerin beschwert – die war sehr verständnisvoll, wollte aber auch die Gelegenheit zum üben nicht nutzlos vergeuden. Ich würde mich ja gerne damit brüsten, dass ich es war, die sie auf eine geniale Idee brachte, um das Dilemma aufzulockern, aber der Preis geht an eine unbekannte Mutter zweier Kinder, die mit ihrem Sohn im Zug nach Berlin Hausaufgaben machte. Die Lehrerin meiner Tochter saß zufällig im gleichen Abteil und hatte Zeit zum Beobachten.

Der Sohn war, verständlicherweise, etwas abgelenkt, die Aufgaben langweilig
…weil wieder mal dasselbe wie in der Schule, wie schon sooft bei den Hausis
…weil Zugfahren und das Leben eben einfach interessanter sind
…weil HAUSIS!

Die Mutter war – verständlicherweise – genervt
…weil die Hausaufgaben nicht fertig wurden
…weil der Sohn andere Sachen wissen wollte
…weil die Tochter auch Aufmerksamkeit wollte
…weil das Leben ungenutzt vorbeizog.

Unsere Lehrerin konnte sich nicht auf ihre Lektüre konzentrieren und machte sich Gedanken.

Wie kann man Hausaufgaben interessanter machen

In den Genuss des Ergebnisses kam der Junge aus dem Zug leider nicht, dafür wir. Unsere Lehrerin hatte kurz zuvor das Buch „Weltwissen der Siebenjährigen“ * von Donata Elschenbroich gelesen. Darin geht es darum wie Kinder die Welt entdecken können. Und es gibt eine tolle Liste, was Siebenjährige alles erlebt haben sollten. Diese Liste hat sie uns Eltern auszugsweise für die Montagshausaufgaben mitgegeben.

Die Montagshausis, unsere Rettung

Die Idee: Jedes Kind darf etwas machen, worauf es gerade Lust hat. Einen Kuchen backen. Eine Murmelbahn bauen. Etwas nähen. Sticken, malen, kochen, basteln, bauen, erfinden….

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Diese Aktivität wird im Montagshausi Heft festgehalten. Meinem schreibfaulen Kind kam es sehr entgegen, das sie auch Fotos einkleben durfte, oder malen, was sie gemacht hatte. Ganz toll war die Tradition, die Ergebnisse am nächsten Tag in der Schule zu präsentieren

Bei Grundschülern ist der Einsatz der Eltern natürlich gefragt, aber genau darum geht es ja, im Leben lernen. Während dem Leben lernen. Mit und von anderen lernen. Wir haben zusammen genäht, gestickt und gebastelt. Mit einem Freund hat mein Kind eine Murmelbahn gebaut. Mit einem anderen einen Schneemann. Es wurden Kuchen und Plätzchen verteilt, Rätsel erfunden und Bücher vorgestellt, die die Kinder gelesen haben. Manchmal haben wir auch einfach ein paar Matheaufgaben aufgeschrieben.

Im Endeffekt war es nicht sehr viel besser als erzwungene Hausaufgaben, aber eben wesentlich selbstbestimmter, ergo traumhaft.

Ideenmangel

Was mich erschreckt hat, war der Mangel an Ideen von meinem Kind. Seit ich weiß, wie natürliches Lernen funktioniert, ist mir klar geworden, das ihr schon im Kindergarten alles vorgesetzt wurde. Ihre Möglichkeiten, selbst zu entscheiden mit wem und was sie lernt/spielt, wurden von Anfang an beschränkt. Da weder ich noch mein Mann sehr vereinsmäßig engagiert sind, haben sich ihre Bekanntschaften auf das beschränkt, was in verschiedenen Gruppen, die ich mit ihr besuchte, passierte. Schon dort hat sie sich immer wieder verweigert, wurde aber auch von mir dazu genötigt mitzumachen. Ich habe ihr damals schon die Möglichkeit selbst zu entscheiden entzogen. Kein Wunder, dass sie seitdem damit Probleme hat.

Intrinsische Motivation

Mir ist seit längerem klar, dass Motivation nur vom Kind selber kommen kann, es nützen keinerlei Versuche, diese von aussen zu aktivieren*. Aber erst seit drei Wochen habe ich begriffen, dass Selbstbestimmung dabei eine extrem wichtige Rolle spielt. Und lasse sie selbst entscheiden.

Das Ergebnis ist FASZINIEREND. Letzte Woche war sie etwas angeschlagen, normalerweise hätte ich sie trotzdem in die Schule geschickt, damit sie nichts nachholen muss. Sie wollte zu Hause bleiben, also blieb sie zu Hause. Und weil es ihr mit ihrem Tablet irgendwann langweilig wurde und ich etwas genäht habe, wollte sie auch nähen. Das hielt nicht lange, weil es nicht so funktionierte wie gewollt, weil ich ihr gezeigt habe, wie man es machen muss, weil eben. Abends hat sie sich nochmal hingesetzt und ich habe mich überhaupt nicht eingemischt. Fragen beantwortet ja, aber wirklich nur auf Zuruf.

Das Ergebnis: Zwei Minikissen, selber zugeschnitten, genäht, gewendet, gefüllt und von Hand zugenäht. Mein Kind hat gelernt. Ohne Schule, ohne Lehrer, ohne Zwang!

Am nächsten Tag hat sie eine Anleitung für selbstgemachte Knete geschrieben. Ihre Playmobil Menschen brauchen Essen. Einzelne Brötchen, Eier, Kartoffeln…. Unsere Knete aus Kindergartenzeiten ist grau-braun, weil alle Farben gemischt. Neue Knete wollte sie nicht alleine kaufen gehen. Im Netz hatte sie ein Rezept gefunden, um Knete selber herzustellen. Dort hat sie sich die Zutaten abgeschrieben und den Rest selber formuliert. Mit erstem Konzept, zweitem Aufschrieb und dann dem Abschrieb in Schönschrift auf ein buntes Papier. Alleine. Von sich aus. Mein schreibfaules Kind! Ich bin begeistert.

Selbstbestimmt und selbstgewählt

Seit wir ihr angeboten haben, dass sie die Schule wechseln kann, seit sie weiß, das es Freie Aktive Schulen gibt, in die sie gehen könnte, haben wir morgens nie wieder Gemaule gehabt, ich will aber nicht in die Schule gehen, weil sie selber beschließen konnte, dass sie auf der derzeitigen Schule bleibt. Eine Gemeinschaftsschule, in der die Schüler mit Unterstützung und Absprache von Lernbegleitern für jedes Fach und teilweise sogar die einzelnen Lernthemen selber entscheiden, auf welchem Niveau sie arbeiten. Leider immer noch in Klassenverbänden und vier Tage bis 15.30 Uhr. Dafür: Komplett ohne Hausis.

PS: Ein paar Anregungen, was ihr euren Kindern als „Hausaufgaben fürs Leben“ geben könnt, findet ihr bei Scoyo, dem Partner der Blogparade. Dort findet ihr auch die ergebnisse der Studie zu Hausaufgaben, die sie durchgeführt haben.

* =  Affiliate Link

 

Veröffentlicht von Bianka

Bianka Bensch, 38 Jahre alt, schreibt als leidenschaftliche Bloggerin neben Attachment Parenting unter anderem einen privaten Blog und den Firmenblog eines Auftraggebers. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten draussen in der Natur mit ihren drei Kindern und ihrem Hund.

1 Kommentar

  1. Wunderbarer Artikel! Wir leben auch von Anfang an bedürfnisorientiert mit unseren Kindern. Selber wurden wir sehr autoritär erzogen, was wir aber nicht an unsere Kinder weiter geben wollten. Wir sehen und fühlen mit unseren Kindern. Wir verstehen sie. Wir sind auf einer Wellenlänge miteinander. Wir spüren in sie und ihre Gefühlswelt hinein. Das Ganze Familienleben ist mit attachment parenting so viel angenehner. Konfliktsituationen gibt es so gut wir keine, da wir unseren Kindern zeigen, daß wir sie und ihre Bedürfnisse wahrnehmen und respektieren.

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