Michael Winterhoff: Lasst Kinder wieder Kinder sein!

Lasst Kinder wieder Kinder sein!: Oder: Die Rückkehr zur Intuition

Bei den Schulstunden zum Thema Aufsatzerziehung – vor allem gerade in meinen dritten Klassen zu Märchen aktuell – ist wohl einer der von mir am häufigsten gesagten Sätze:
„Denk immer daran, wie deine Überschrift lautet!“

Ich bin also nicht gerade verwöhnt, was passende Geschichten zu den gewählten Überschriften betrifft. Wirklich und wahrhaftig nicht! Aber meine Drittklässler kriegen beim besten Willen keinen Text so weit ab von der Überschrift hin, wie das Herr Winterhoff mit seinem neuen Werk „Lasst Kinder wieder Kinder sein! Oder: Die Rückkehr zur Intuition“ aus dem Gütersloher Verlagshaus schafft.

Der Titel wurde auf BloggDeinBuch vorgestellt und sprach mich absolut an. Das ist ja genau das, was ich immer predige. Man soll mehr auf den Bauch hören, Kindern nicht so viel „reinreden“, sie nicht zu kleinen Erwachsenen machen, sie intuitiv „erziehen“… Das sag ich seit Jahren und praktiziere es auch, so weit es mir möglich ist. Und da der Titel so unglaublich genial klang, bestellte ich das Buch voller Hoffnung auf ein Wunder – bisher war meine Meinung von den Winterhoff-Büchern eher nicht so gut. Und dann fing ich an zu lesen und verschlang Seite um Seite über….

…ja, über was eigentlich? Über was schreibt er denn genau, der Herr Winterhoff? Es geht nicht wirklich darum, seine Intuition wiederzufinden und erst recht nicht darum, WIE man sie wiederfindet und schon gleich gar nicht darum, was das alles mit unseren Kindern zu tun hat. Eine ganz klare Themaverfehlung also!

Und dennoch ist es ein gutes Buch. Ich hätte soooo viele Sätze blind unterschreiben können. Winterhoffs neue Lieblingsbegriffe „Hamsterrad“ und „Katastrophenmodus“ treffen im Kern, was das Leben der meisten Erwachsenen ausmacht. Ja, das ist wichtig und ja, das muss thematisiert werden und ja, das schadet auch unseren Kindern. Seh ich ja alles ein.

ABER: der Titel passt verdammt nochmal nicht zum Buch! Hätte ich was über mein „Hamsterrad“ und meinen „Katastrophenmodus“ lesen wollen, ich glaube, ich hätte zu Miriam Meckels „Das Glück der Unerreichbarkeit: Wege aus der Kommunikationsfalle“ gegriffen, denn genau an diesen Titel erinnert mich Winterhoffs Inhalt.

Als ich auf Seite 140 endlich zum Kapitel „Wie Kinder den Alltag erleben, wenn ihre Eltern sich im Hamsterrad befinden“ kam, dachte ich, JETZT endlich kommt, auf was ich so lange warte. Aber selbst hier… Ja, permanenter Druck, Leistungsanforderungen, durchgetaktete Freizeit, alles schädlich für Kinder! ICH WEISS! Aber wo finde ich denn nun meine Intuition, die meinen Kindern helfen soll? Knapp 30 Seiten später wieder ein Hoffnungsfunke, das letzte Kapitel heißt „Was können wir tun?“ und ein Unterpunkt dazu „Kinder Kinder sein lassen und Erwachsene Erwachsene“….aber auch dieses Kapitel brachte mir nicht wirklich die Erleuchtung, wie mir dieses Buch helfen möchte, aus dem Hamsterrad zu kommen und ich legte es nach 200 Seiten enttäuscht zur Seite.

Ich hatte mir sooooo viel versprochen von dem Titel und bekam eine interessante Themaverfehlung. Schade! Aber vielleicht bin ich einfach nicht im Katastrophenmodus und auch nicht im Hamsterrad und kann deshalb aus diesem Buch nicht rauslesen, was ich tun soll? Nun, wenn es so ist, umso besser….

Ganz klar: KEINE Kaufempfehlung, investiert die 20 Euro lieber in das hoffentlich endlich bald erscheinende „Geborgene Kinder“ als Nachfolger von Geborgene Babys!!!

Veröffentlicht von Bianka

Bianka Bensch, 38 Jahre alt, schreibt als leidenschaftliche Bloggerin neben Attachment Parenting unter anderem einen privaten Blog und den Firmenblog eines Auftraggebers. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten draussen in der Natur mit ihren drei Kindern und ihrem Hund.

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