Ihr habt Spaß, wir haben den Alltag? So ein Käse!

Liebe Frau Weh (und lieber Kai von Daddylicious),

ich klicke mich gerade rückwärts von der Antwort der Männer von Kai (Daddylicious) auf Ihren eigentlichen Beitrag „Von Penisneid und Vorzeigedaddys“ und irgendwie erschreckt mich der Beitrag, der das Leben aus mütterlicher Sicht schildert.

Ich kann mit Kategorisierungen wenig anfangen und ich steh auch nicht auf Schubladendenken. Ich mag es weder, wenn alle Mütter noch wenn alle Väter unter einen Hut gesteckt bzw. über einen Kamm geschert werden. Dazu sind Menschen, Persönlichkeiten, Familien, Lebensentwürfe einfach zu verschieden.

Die eine Frage, die sich mir als Mutter aber bei der Lektüre stellt: Wer hindert Sie, liebe Frau Weh – oder auch jede andere Mutter in dieser wundervollen Welt – denn daran, ebenfalls das Leben ein wenig lockerer zu nehmen? Wer hindert Sie, ganz im Moment zu verweilen? Man kann trotzdem den nächsten Kindergeburtstag planen oder die Einkaufsliste durchgehen. Oder man macht das eben danach… Und ich kann mir nicht vorstellen, dass das nicht auch Männern so geht. Die schalten ja auch nicht – zack! – ihr Hirn ab und werfen sich in den Sandkasten.

Wer hindert Sie, einfach mal etwas großzügiger über Dreck hinwegzusehen? Wer hindert Sie, Spaß am gemeinsamen Leben mit Ihrem Kind zu haben? Denn genau das kommt bei mir an: Ihre gemeinsame Zeit mit Ihrem Kind oder Ihren Kindern macht Ihnen nicht so recht Spaß, nicht ungetrübt zumindest!

Wer hindert Sie – wer hindert uns alle – unsere ganz eigene Sichtweise ein wenig umzukrempeln und statt der Parole „Ihr habt Spaß, wir haben den Alltag“ lieber zu sagen „Ich hab so viel Spaß in meinem Alltag“? Genießen Sie das Leben, den Alltag mit Ihren Kindern. Machen Sie sich das Leben lebenswert. Und statt „die Männer“ und „die Superdaddys“ zu beneiden, lernen Sie von ihnen!

Ihr habt Spaß, wir haben den Alltag

Mutter sein kann, darf, muss und soll vor allem Spaß machen. Und ich rede hier nicht davon, dass die Wohnung völlig verkommt, weil man ganztags nur als Spaßmama unterwegs ist. Ich weiß, dass das Leben nicht immer nur ein Ponyhof ist und dass man als Mama einfach so viel zu denken und zu planen hat… Aber etwas mehr Gelassenheit tut uns Frauen doch auch mal ganz gut! Oder etwa nicht?

Ich gebe es zu, ich musste das auch erst lernen und auch heute noch tu ich mir streckenweise schwer damit. Es gibt Tage, an denen meine Küche unaufgeräumt ist, weil ich einfach nicht dazu komme. Ich arbeite im Homeoffice, was mit Kindern um mich herum (und einem Arbeitszimmer, das zwar eine Tür hat, aber dennoch Durchgangszimmer ist) nicht gerade prickelnd ist. Doch ich habe inzwischen gelernt, mit wenigen Handgriffen viel zu erreichen. Die Küche räumt sich nicht alleine auf, aber ich schaffe es inzwischen ganz gut, (nahezu) ALLES SOFORT wieder weggeräumt zu bekommen, damit es sich nicht erst stapelt. Das kann man üben – und wenn mal irgendwo noch was rumsteht, dann ist es halb so schlimm. Ein Haushalt mit Kindern ist nun mal nicht so 100% piekfein wie bei DINKS*. In ner durchgestylten Wohnung kann ich immer noch wohnen, wenn die Kids aus dem Haus sind, vorher gibt es Wichtigeres.

Und was den Spaß betrifft: Neulich war so ein Tag, an dem ich unglaublich genervt war. Es musste was fertig werden, dringend (wann ist mal ein Abgabetermin nicht dringend?) und ständig kam eines dieser Kinder angewackelt, wollte dies, wollte jenes, kam petzen, wollte mir was zeigen. Rausschicken ließen sie sich nicht, Wetter für’s Freibad war leider auch nicht und vor die Glotze setzen liegt mir nicht.
Nach kurzem Überlegen hatte ich zwei Möglichkeiten ausgemacht: Variante A wäre gewesen, die Kinder anzumaulen, dass ich jetzt mal endlich Ruhe bräuchte und hier arbeiten müsse, um unser Geld zu verdienen und überhaupt… *meckermotz* Das hätte mich unglaublich erleichtert, uns aber insgesamt nichts gebracht. Ich hab mich also für Variante B entschieden, die Kinder geschnappt und wir hatten zusammen zwei Stunden Riesenspaß im (wegen des Wetters nahezu leeren) Achterbahnpark im Nachbardorf. Ja, ich war gedanklich noch bei meiner Arbeit. Und ja, ich hatte ein schlechtes Gewissen. Das verflog aber spätestens beim zweiten Looping auf der neuen Karacho. Und die Moral von der Geschicht‘? Ich hab nach diesen zwei Stunden meine Arbeit aufgeholt bekommen, weil die Kinder ausgelassen und ausgelastet waren und ich einfach freier im Kopf durch die komplette Ablenkung. Und ich finde, das sollten wir Mütter uns doch einfach öfter mal zugestehen. Nicht wahr?

PS: Ich persönlich finde übrigens nicht, dass man Männer „beim Tragen einer Jack Wolfskin Jacke noch den Großstadtjäger abnimmt, während man in uns im gleichen Aufzug nur noch mitleidslos das praktische, ungestylte Mutti sieht“, sondern denke eher, das hat was mit unserer eigenen Erwartung an uns selbst zu tun. Auch was unsere Körper angeht, sollten wir Mamas mal ein wenig lockerer werden!

* DINKS = Double Income No Kids

 

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Veröffentlicht von Bianka

Bianka Bensch, 38 Jahre alt, schreibt als leidenschaftliche Bloggerin neben Attachment Parenting unter anderem einen privaten Blog und den Firmenblog eines Auftraggebers. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten draussen in der Natur mit ihren drei Kindern und ihrem Hund.

1 Kommentar

  1. Leider habe ich die Artikel nicht gefunden, aber ich denke auch, dass es hilfreich ist, die Männer für den Haushalt einzuspannen. Nein, das klingt schon zu altmodisch. Der Haushalt wird geteilt, und basta. Wer sieht, das etwas liegen geblieben ist und Zeit hat machts. Die Kinder auch. So hat jeder Teil am Alltag (der auch Spass machen kann, mit etwas Musik) und genug Energie für Spass. Den kann man auch planen, z.B. Ausflüge jedes Wochenende.

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