Handyregeln für Teenager

Handyregeln Teenager

Irgendwann war es auch bei uns soweit: Das älteste Kind wollte ein Handy haben. Viele Klassenkameraden hatten schon eines und nachdem die Große nach einem Umzug mit dem Bus zur weiterführenden Schule fuhr und nicht mehr laufen konnte, bot es sich auch an, dass sie eines bekommt.Ich hatte mich für das Samsung Galaxy Y S5360* – ein kleines, einfaches Smartphone aus der Einsteigerklasse – entschieden und muss sagen, mit dieser Entscheidung bin ich noch heute sehr zufrieden. Inzwischen hat der Sohn das Handy übernommen, die Große hat mit dem Huawei Y300* inzwischen ein etwas besseres Handy bekommen.

Ich persönlich kommuniziere viel über das Handy. Ich finde es toll, wenn ich meine Familie, meine Freunde oder eben auch meine Kinder schnell per Whatsapp erreichen kann oder ihnen Nachrichten und Fotos schicken. Oder von ihnen hören und sehen, was sie gerade machen. Meine Älteste ist da auch sehr kommunikativ, spielt auch viele Spiele auf dem Handy und ist in ständigem Kontakt mit Freundinnen und Klassenkameradinnen per Handy. Bei meinem Sohn hatte ich anfangs die Befürchtung, er würde nur noch an dem Gerätchen hängen, allerdings liegt sein Handy viel öfter hier unbenutzt rum.

Wir haben als Altersgrenze festgelegt, dass jedes Kind mit 11,5 Jahren ein Handy bekommt. Auf Probe, sozusagen. Das erste Halbjahr ist dabei so ein wenig die Eingewöhnungszeit. Ich sehe, wie das Kind mit dem Handy klarkommt, ich erkläre und helfe viel. Und ich weise immer mal wieder auf Risiken und Gefahren hin. Auch die größeren Geschwister helfen inzwischen natürlich mit beim Erklären und Zeigen. Mit dem 12. Geburtstag ist dann die „Probezeit“ vorbei.

Direkt am Anfang der Probezeit habe ich mit jedem Kind eine Art Vertrag geschlossen. Sowohl das Kind als auch ich haben die „Handyregeln“ unterschrieben. Die habe ich irgendwann mal – nicht lachen jetzt! – bei der BILD-Zeitung gefunden und fand sie so klasse, dass ich sie für uns übernommen habe. Am unteren Ende des Blogposts stelle ich sie euch zum Download bereit. Ihr könnt sie einfach ausdrucken und verwenden.

Unsere 18 Handyregeln

  • Regel 1
    Es ist mein Telefon. Ich habe es gekauft. Ich zahle dafür. Ich überlasse es dir. Bin ich nicht großartig?
  • Regel 2
    Ich kenne immer das Passwort.
  • Regel 3
    Wenn es klingelt, geh dran. Es ist ein Telefon. Sag Hallo, zeig deine Manieren. Ignoriere niemals einen Anruf, wenn auf dem Bildschirm „Mama“ oder „Papa“ steht. Niemals.
  • Regel 4
    Händige das Telefon an Schultagen um 19.30 Uhr einem Elternteil aus, an Wochenenden um 20 Uhr. Es wird über Nacht ausgeschaltet. Wenn du jemanden nicht auf dem Festnetz anrufen würdest, weil wohl zunächst die Eltern ans Telefon gehen würden, ruf auch nicht mit dem Handy an oder schicke eine Nachricht. Hör auf dein Bauchgefühl und respektiere das Familienleben anderer, so wie wir unseres respektiert sehen wollen.
  • Regel 5
    Es kommt nur ausgeschaltet mit in die Schule. Unterhalte dich mit den Leuten, denen du SMS schickst. Damit lernst du fürs Leben. (Ausnahmen an kurzen Schultagen, bei Ausflügen oder Aktivitäten nach der Schule müssen gesondert vereinbart werden.)
  • Regel 6
    Wenn es in die Toilette fällt, auf dem Boden zerschmettert oder sich in Luft auflöst, bist du für Ersatz oder Reparatur verantwortlich. Mähe Rasen, arbeite als Babysitter, spare dein Geburtstagsgeld. Es wird passieren, du solltest darauf vorbereitet sein.
  • Regel 7
    Benutze die Technik nicht, um andere Menschen zu belügen, zu betrügen oder zum Narren zu halten. Beteilige dich nicht an Unterhaltungen, die andere verletzten könnten. Sei in erster Linie ein guter Freund und halte dich aus Streitereien raus.
  • Regel 8
    Schicke nichts per SMS, E-Mail oder sage etwas per Handy, das du nicht auch jemandem persönlich sagen würdest.
  • Regel 9
    Schicke nichts per SMS, E-Mail oder sage etwas zu jemandem, das du nicht auch in Anwesenheit von dessen Eltern sagen würdest. Zensiere dich selbst.
  • Regel 10
    Kein Porno. Suche im Internet nur nach Informationen, die du mir ohne weiteres zeigen würdest. Wenn du zu irgendwas eine Frage hast, frag jemanden – am besten mich oder dein anderes Elternteil.
  • Regel 11
    Mach es aus, schalte es auf stumm, leg es in der Öffentlichkeit weg. Besonders in einem Restaurant, im Kino oder wenn du mit einem anderen menschlichen Wesen sprichst. Du bist nicht unhöflich; lass nicht zu, dass das Smartphone dich dazu macht.
  • Regel 12
    Verschicke keine Bilder deiner Geschlechtsteile oder lass dir Bilder der Geschlechtsteile von irgendjemandem anders schicken. Lach nicht. Eines Tages wirst du in Versuchung geraten, das zu tun, trotz deiner hohen Intelligenz. Es ist gefährlich und kann dir dein Leben als Jugendlicher/Student/Erwachsener ruinieren. Das ist immer eine ganz schlechte Idee. Das Internet ist riesig und mächtiger als du. Und es ist schwierig, irgendetwas dieses Ausmaßes verschwinden zu lassen – inklusive eines schlechten Rufes.
  • Regel 13
    Nimm nicht Myriaden von Fotos und Videos auf. Es ist nicht nötig, alles zu dokumentieren. Genieße deine Erlebnisse. Die werden bis in alle Ewigkeit in deinem Gedächtnis gespeichert sein.
  • Regel 14
    Lass das Telefon manchmal zu Hause und sei dir bei dieser Entscheidung sicher: Es ist nicht lebendig oder ein Teil von dir. Lerne, ohne es zu leben. Sei stärker als die Angst, irgendwas zu verpassen.
  • Regel 15
    Lade dir neue Musik runter oder Klassiker oder irgendetwas anderes als das immer gleiche Zeug, das sich Millionen deiner Altersgenossen anhören. Deine Generation hat Zugang zu Musik wie niemals zuvor. Nutze dieses Geschenk. Erweitere deinen Horizont.
  • Regel 16
    Spiel ab und zu Spiele mit Wörtern, Puzzles oder Denkaufgaben.
  • Regel 17
    Halte deine Augen offen. Sieh dir die Welt um dich herum an. Schaue aus dem Fenster. Hör den Vögeln zu. Geh spazieren. Sprich mit einem Fremden. Frage dich etwas, ohne zu googeln.
  • Regel 18
    Du wirst es vermasseln. Ich nehme dir das Telefon weg. Wir setzen uns zusammen und reden darüber. Wir fangen noch mal von vorne an. Du und ich, wir lernen immer. Wir spielen im selben Team. Wir machen das zusammen.

Jetzt herunterladen Handyregeln für Teenager (3617)

Bisher funktionieren diese Regeln sehr gut für uns und ich finde, wir haben damit einen sehr guten, Attachment Parenting konformen Umgang mit dem Handy gefunden. Die Große hat ihr Handy einmal verlegt und dann auch gleich eingesehen, dass sie ein neues aus eigener Tasche besorgen musste. Ein wenig später hat sie es wiedergefunden – und natürlich das Geld zurückbekommen. Ich bin eigentlich fast immer im Bilde, was die Kinder mit den Handys machen und in den meisten Fällen legen sie es von sich aus abends in der Küche ab, wenn es ins Bett geht.

Wie macht ihr das mit euren älter werdenden Kindern und dem Thema Handy? Irgendwann kommt es wohl auf jede Familie zu, daher bin ich gespannt, welche Lösungsmodelle es außer unserem noch gibt.

* Affiliate Link

Veröffentlicht von Bianka

Bianka Bensch, 38 Jahre alt, schreibt als leidenschaftliche Bloggerin neben Attachment Parenting unter anderem einen privaten Blog und den Firmenblog eines Auftraggebers. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten draussen in der Natur mit ihren drei Kindern und ihrem Hund.

4 Kommentare

  1. Vielen Dank für diese Regeln. Auf der Suche nach genau solchen Regeln bin ich auf diese Seite gestoßen. Mal sehen wie sich mein Kind schlägt.

  2. Ich finde diese Regeln sehr gut. Da ich schon ein Handy habe aber eine schlechte Regelung die so lautet: Handy wird nach der Schule weggenommen & es gibt Abends eine Bildschirmzeit von 1 Stunde. Freitags und Samstags gibt es 2 Stunden und Sonntags ist Bildschirmfreier – Tag. Aus diesem Grund schlage ich meinen Eltern diese Regeln vor.

  3. vielen dank für diese handyregeln!

    wir haben den vertrag mit unserem 14jährigen sohn geschlossen. er hat ihn gleich akzeptiert. sein schwachpunkt ist, dass er einfach zuviel mit dem handy herumdattelt, beim essen, jederzeit. regel 11 ist insofern ein ganz wichtiger hinweis für ihn.

    ich habe aber punkt eins weggelassen. ich finde den punkt für teenagerohren (und auch für meine ohren) viel zu arg von oben herab und irgendwie unangenehm.
    jeder intelligente mensch/ jugendliche weiss, dass er in vielerlei hinsicht von seinen eltern finanziell abhängig ist: mit diesen paar sätzen zeige ich nur nochmal ganz deutlich die hierarchie und macht auf, die ich besitze, weil ich mehr geld habe. er kann diesesgefäll nicht auch durch noch so viele ferienjobs oder babysitting wettmachen.
    meiner meinung nach also kein sinnvoller einwand.

    unser sohn hat sein handy ohnehin übrigens zu 50% vom eigenen geld bezahlt – es war seine idee.

    • Liebe Sh,

      freut mich, wenn der Vertrag auch bei euch gut klappt. Regel 1 entspringt bei uns vor allem dem Humor, den wir alle teilen und die Kinder wissen, dass das nicht so gemeint ist. Kann es auch gar nicht, da bei uns jeder einen Anteil am Familieneinkommen beiträgt und die Handys davon bezahlt wurden/werden. Es besitzt also keiner so deutlich viel mehr Geld als der andere, insofern drückt dieser Satz bei uns auch kein Machtgefälle und/oder Hierarchie aus. Aber ich werde deine Anregung gerne aufgreifen und die Regeln noch einmal überarbeiten bei Gelegenheit.

      Liebe Grüße,
      Bianka

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Hast du schon unser kostenloses E-Book?

Trag dich jetzt in den Newsletter ein und erhalte kostenlos das Attachment-Parenting-E-Book!

Wir mögen Spam genauso wenig wie du!
/** * Blogfoster */