Attachment Parenting, oder: Wie ich lernte, von meinem Kind zu lernen – von Nino Blavustyak

Als mich Bianka gebeten hat, über Attachment Parenting aus meiner, also der Sicht des Vaters zu schreiben, dachte ich nicht im Traum daran, wie schwer es ist, über etwas zu schreiben, was für uns zur Selbstverständlichkeit geworden ist. (Wobei die Frage berechtigt ist, inwieweit jemals eine andere Sicht der Dinge für uns beide bestanden hat. Darüber ließe sich mit Sicherheit eine ganze Doktorarbeit füllen, deshalb lasse ich diesen Aspekt hier einfach weg.)

Sicher, jeder kennt die Schlagwörter, die im Zusammenhang mit Attachment Parenting in der Regel fallen: Tragen, Familienbett, Stillen,…die Liste könnte beliebig fortgesetzt werden. Die alles entscheidende Frage ist jedoch nicht, was alles dazugehört, sondern was dahinter steht und insbesondere ob man sich selbst auch damit identifiziert.

Es ist nicht eine Frage des Könnens – wie bei vielen anderen Dingen auch – sondern vielmehr des Wollens, wenn es darum geht, seinen eigenen Weg zu beschreiten. Ich muss allerdings zugeben, dass uns das Wollen manchmal recht schwer gemacht wird. Sich ständig und überall für die Art der Erziehung rechtfertigen zu müssen, macht auf die Dauer mürbe. Deshalb bin ich auch ganz froh darum, dass unsere Eltern weitestgehend hinter uns stehen. Doch lassen Sie sich dadurch nicht entmutigen, dass Sie so vielen „Engstirnigen“ begegnen, es gibt da draußen mehr Gleichgesinnte, als sie vielleicht glauben.

Doch alles von Anfang an:
Für jeden, der in die Situation kommt, Vater oder Mutter zu werden, stellt sich irgendwann die Frage: Wie erziehe ich mein Kind? Man macht sich seine Gedanken über Normen und Werte, eigene und fremde Ideale und nicht zuletzt auch über die Erziehungsmethode.
Auf den ersten Blick scheint die Sache sehr einfach. Dutzende, ach was sage ich, Hunderte Bücher wurden und werden über die unterschiedlichen Erziehungsformen und -stile geschrieben. Das einzige Problem scheint also die Auswahl eines eigenen Favoriten zu sein. Doch weit gefehlt. Jetzt fangen die Probleme ja erst an. Bei der einen Variante wird zu sehr Wert auf Einigkeit gelegt, bei der nächsten zuwenig, bei der übernächsten wird sie ganz vernachlässigt. Das Ende vom Lied: Letztlich muss doch jeder selbst seinen eigenen Stil entwickeln.

Und hier liegt bereits ein elementarer Fehler vor: Viele gehen nicht danach, was für die kleinen, neuen Erdenbürger das Beste ist, sondern was für sie das bequemste scheint. Warum muss man nach unflexiblen Regeln und Abläufen erziehen? Weiß das Kind nicht selbst am besten, wann es welche Bedürfnisse hat. Warum dann von vornherein die unpersönlichsten, ja fast fremdelnden Formen des Kontaktes mit den Kindern wählen? Und hier sind wir dann wieder bei den Schlagwörtern:
– Tragen:
Warum werden die Kinder in Kinderwägen gelegt, weit weg von den Eltern, deren Körperwärme, deren Geruch? Die Kinder werden deren früh genug überdrüssig. Gerade in einer Zeit, wo unsere Kinder die ersten Erfahrungen sammeln, vor der großen Welt da draußen Angst haben, da entziehen wir ihnen das Beste, das wir ihnen geben können? Entschuldigen Sie bitte, wenn ich das für pervers halte.
– Familienbett:
Derselbe Sachverhalt, anderer Aspekt. Erinnern Sie sich bitte daran, wie verwirrt und verängstigt wir manchmal aus unseren Albträumen aufwachen. Wie muss sich da ein Kind fühlen, das aufwacht und das Atmen und die Bewegung der Eltern nicht mehr wahrnimmt, weil es in einem eigenen Bett schlafen muss?
– Stillen:
Warum wird den jungen Müttern heutzutage suggeriert, dass langes Stillen – und als solches gilt (auch bei vielen Ärzten!) das Stillen über den sechsten Monat hinaus – nicht „normal“ ist (Den Äußerungen von Bianka bezüglich Normalität und Abnormalität kann ich mich im übrigen nur anschließen!)? Es geht nicht etwa darum, was für unsere Kinder oder gar die stillende Mutter besser ist, sondern vielmehr um das Überleben eines ganzen Industriezweiges! Nun, ganz so ist es nicht, allerdings könnte man als Außenstehender manchmal den Eindruck bekommen, dass dem wirklich so ist. Doch zum eigentlich entscheidenden: Warum geben wie unseren Kindern denn „angepasste“ Nahrung, wenn fast alle Mütter – vorausgesetzt sie lassen sich von anfänglichen Problemen nicht entmutigen – ihr Kind stillen könnten?

Vieles Vorgenannte unterliegt stark dem persönlichen Umfeld jedes Einzelnen, eines jedoch nicht: die eigene Einstellung gegenüber dem Kind. Warum sind wir eigentlich so arrogant zu behaupten, besser zu wissen, was für die Kinder wann und wie gut ist? Lassen wir uns doch auf sie ein. Lernen mit ihnen und vor allem von ihnen. Sicher, das ist nicht der einfachste und schnellste Weg unsere Kinder zu erziehen, vielleicht aber der erfolgreichere! Voraussetzung dafür ist allerdings, ein wenig mit den alten Ammenmärchen zu brechen. Dazu gehören unter anderem die Behauptung, dass Kinder in der frühen Kindheit ihren Harndrang nicht kontrollieren können (um einen weiteren Bereich anzuschneiden). Des weiteren kann man sich getrost von der Vorstellung trennen, das Kinder so schnell wie möglich durchschlafen müssen. Schließlich essen wir ja auch, wenn wir Hunger haben und genauso ist es bei unseren Kindern, mit dem einzigen Unterschied, dass mindestens einer von uns Eltern mit aufstehen muss oder zumindest wach wird.

Sie fragen zum Ende dieser Zeilen sicherlich, ob ich das glaube, was ich erzähle und an das glaube was wir tun? Ja das tue ich, weit mehr als sich manch einer vorzustellen vermag (Dieses Selbstbewusstsein braucht man manchmal! ;-)). Und das wichtige ist nicht, ob Sie mir das glauben, sondern ob mein Kind spürt, dass es wirklich so ist.

Veröffentlicht von Bianka

Bianka Bensch, 38 Jahre alt, schreibt als leidenschaftliche Bloggerin neben Attachment Parenting unter anderem einen privaten Blog und den Firmenblog eines Auftraggebers. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten draussen in der Natur mit ihren drei Kindern und ihrem Hund.

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