10 Tipps, die die Beziehung zu deinem Teenager stärken

Unsere Aufgabe als AP-Eltern ist es, die Bedürfnisse unserer Kinder zu erfüllen – auf jeder ihrer Entwicklungsstufen, damit sie sich auf die nachfolgende Stufe weiterentwickeln können. All unsere „Fehler“ in den ersten Jahren kommen in den Teenagerjahren zum Vorschein. Aber auch alles, was wir richtig gemacht haben, zeigt sich deutlich. Wenn wir das Bedürfnis unseres Kindes nach Unabhängigkeit akzeptiert haben und es bei seiner Entwicklung zu einer eigenständigen Person begleitet und unterstützt haben, bleibt auch dann eine enge Verbindung zwischen dem Kind und uns als Eltern bestehen, wenn es seinen Fokus auf Gleichaltrige, die Schule und seine eigenen Leidenschaften legt.
Bindung Teenager

In der Teenagerzeit sollen Kinder sich mehr und mehr zu selbstständigen Wesen entwickeln. Dabei als Eltern der emotionale und moralische Kompass seines Kindes zu bleiben, ist schwer. Die Kinder fangen an, auch außerhalb der Familie intime Beziehungen einzugehen – und um das erfolgreich tun zu können, müssen sie sich darauf verlassen, dass die engen Beziehungen, die sie zu Hause haben, bestehen bleiben.

Wir müssen unsere Kinder dazu einladen, sich emotional so lange auf uns zu verlassen, bis sie fähig sind, sich emotional auf sich selbst verlassen zu können. Es ist KEIN Zeichen gesunder emotionaler Entwicklung, wenn Teenager ihre Eltern von sich wegschieben oder Eltern ihre Teenager fallenlassen. Das ist eher ein Zeichen für eine kaputte Beziehung. Dein Kind in seiner Entwicklung begleiten zu wollen, wenn die Beziehung zu ihm kaputt ist, ist ungefähr so wie einen riesigen Stein bergauf zu rollen. Aber es ist nie zu spät, die Beziehung zu deinem Kind zu reparieren und ihm wieder näher zu kommen. Nur ist es eben deutlich schwerer, zu deinem Teenager eine enge Verbindung aufzubauen, wenn die Grundlage in der frühen Kindheit nicht gelegt wurde.

Wie du die Bindung zu deinem Teenager stärkst

  1. Das Bedürfnis des Teenagers nach Unabhängigkeit bedeutet nicht, dass ihr nicht trotzdem eine enge Verbindung haben könnt.

Lass deinen Teenager sein eigenes Urteilsvermögen ausprobieren und er selbst sein, statt ihm vorzugeben, wie du ihn oder sie haben möchtest. So wächst er in altersgemäße Unabhängigkeit hinein, ohne sich von dir abwenden zu müssen. Bestehst du andererseits darauf, dass er/sie den Sport macht, den du magst oder mit deinen politischen Einstellungen konform geht, muss sich dein Teenager entscheiden zwischen der Beziehung zu dir und seiner eigenen Integrität.

  1. Hör zu. Fühl dich ein. Reduziere Ratschläge auf ein Minimum.

Es kommt nicht darauf an, wie gut dein Rat ist. Wann immer du ihn anbietest, vermittelst du deinem Kind die Botschaft, dass es seine Probleme nicht alleine lösen kann. Sei eher ein Resonanzboden, kein Ratgeber und du wirst merken, dass dein Teenager für mehr zu dir kommt.

  1. Sei da, wenn dein Teenager reden will.

Bei den meisten Teenagern bedeutet das: spät in der Nacht bei einem Snack. Zur Not mach vorher schon mal ein Nickerchen und steh wieder auf, wenn dein Teenager nach Hause kommt. Du wirst überrascht sein, wie offen dein Teenager in der Zeit mit dir redet. Kinder reden dann, wenn ihnen danach ist und sie reden mit demjenigen, der sich als guter Zuhörer erwiesen hat, aber nicht darauf besteht, dass sie sich mitteilen. Wenn du sie drängst, sich zu öffnen, haben sie das Gefühl, sie müssen ihre Unabhängigkeit verteidigen, indem sie ihre Geheimnisse für sich behalten. Finde Möglichkeiten, in ihrer Nähe zu sein, wenn ihr beide potentiell gesprächsbereit seid, ohne dass es nach einem Muss aussieht. Deine Verfügbarkeit klar zu Machen, lädt zur Kontaktaufnahme ein: “Ich bin im Arbeitszimmer, wenn du mich brauchst.”

Der wichtigste Teil ist aber deine Einstellung. Dein Kind spürt deine emotionale Verfügbarkeit. Eltern, die eine enge Beziehung zu ihren Teenagern haben, haben es sich oft angewöhnt, alles stehen und liegen zu lassen, sobald ihr Teenager das Bedürfnis zu reden signalisiert. Natürlich geht das nicht immer so einfach. Aber wenn Kinder das Gefühl haben, dass andere Sachen ihren Eltern wichtiger sind, suchen sich oft anderswo etwas oder jemanden, das/der ihre emotionalen Bedürfnisse befriedigt.

  1. Versuch nicht, deinen Teenager zu ändern.

Dein Teenager ist auf einem Weg der Selbstfindung und experimentiert nahezu wöchentlich mit neuen Identitäten. Du denkst, sie sähe besser aus mit Haaren in einer anderen Farbe als pink? Du denkst, er sollte sich öfter mal waschen? Solche Vorschläge solltest du nur sehr taktvoll anbringen. Und nur genau ein Mal. Ansonsten interpretiert sie dein Teenager schnell als Ablehnung seiner Person.

  1. Halte das richtige Gleichgewicht aus guten und schlechten Interaktionen ein.

Wissenschaftler haben herausgefunden, wie sie vorhersagen können, welche Paare über kurz oder lang geschieden werden: diejenigen, die nicht darauf achten, dass sie mindestens 5 positive Interaktionen für jede negative Interaktion haben. Dieses Verhältnis von 5 zu 1 ist ein guter Weg, deine Ehe aufrecht zu erhalten, aber ebenso auch, um deine Verbindung zu deinem Teenager zu sichern.

Auch wenn wir es versuchen, wir werden es nicht schaffen, immer nur optimale Interaktionen mit unseren Kindern zu haben. Denk daran, dass für jede der Interaktionen, die dein Kind mit einem eher schlechten Gefühl zurücklassen fünf positive Interaktionen notwendig sind, um die Beziehung im positiven Bereich zu halten. Das können Kleinigkeiten sein wie ein Schulterklopfen oder ein Lächeln, so lange sie positiv von deinem Kind aufgenommen werden.

  1. Nimm es nicht persönlich.

Dein Teenager knallt die Tür zu seinem Zimmer zu und schreit “Ich hasse dich, nie verstehst du mich!” In dieser Situation solltest du dich an den vielleicht wichtigsten Rat von allen hier erinnern: Nimm es nicht persönlich. Es geht dabei in erster Linie nicht um dich, es geht vor allem um sie: um ihre verdrehten Gefühle, ihre Schwierigkeiten bei der Selbstkontrolle, ihre noch nicht vollentwickelte Fähigkeit ihre Gefühle zu verstehen und auszudrücken. Nimmst du es persönlich, so verletzt es dich, was bedeutet, dass du dann tust, was wir alle tun, wenn wir verletzt werden: Wir ziehen uns zurück oder schlagen zurück oder beides. Doch das macht die Situation nur schlimmer.

Um es nicht persönlich zu nehmen atme tief ein, lass den Schmerz gehen, erinnere dich daran, dass dein Kind dich eigentlich liebt, aber im Moment nicht an dieses Gefühl herankommt. Schrei nicht ebenfalls herum, sondern denke daran zurück, wie schwer es ist, ein Kind zu sein, das aufgebracht ist und daher überreagiert. Denke gut über deine ruhige und konstruktive Reaktion nach.

Du kannst Grenzen setzen, aber mach das so ruhig wie es nur irgend möglich ist. Dein Kind wird dir dafür dankbar sein, auch wenn es das gerade nicht zum Ausdruck bringen kann. Nein, ich schlage nicht vor, dass du dich von deinem Kind respektlos behandeln lässt. Ich schlage nur vor, dass du mit Liebe reagierst statt aus der Wut heraus, wenn du Grenzen setzt. Und wenn du im Moment zu wütend bist, um die Liebe zu spüren, dann warte mit dem Setzen von Grenzen, bis du dich wieder beruhigt hast.

  1. Nimm dir jeden Tag wenigstens kurz Zeit für deinen Teenager.

Egal, ob es fünf Minuten beim Gutenacht-Sagen sind oder ein paar Minuten beim Abspülen nach dem Essen. Du solltest versuchen, jeden Tag ein paar Minuten Zeit mit deinem Teenager zu verbringen, um eure Verbindung zu pflegen. Wenn dein Teenager keine Lust darauf hat, Zeit mit dir zu verbringen, schaff für euch tägliche Routinen und teile mit ihm, was er gerne tut: Spielt zusammen eine Runde Tischtennis oder trinkt jeden Abend zusammen eine Tasse Tee vorm Schlafengehen, geht jeden Montagabend zur Eisdiele spazieren, bereitet jeden Sonntag das Mittagessen gemeinsam vor oder spielt gemeinsam Basketball. Kinder warten oft schon auf diese Routinezeiten, um etwas loswerden zu können, das sie umtreibt. Erwarte nicht, dass dein Sohn oder deine Tochter dich in ihre Nähe einladen oder bei jedem Mal ihre Gefühle offenlegen oder genau dann, wenn du es erwartest. Aber wenn es genug Möglichkeiten gibt, Zeit zusammen zu verbringen, wird es irgendwann so sein, dass sie eine dieser Gelegenheiten ausnutzen.

  1. Sei emotional und auch körperlich für deinen Teenager da.

Teenager haben vieles gleichzeitig im Kopf: der Geschichtstest nächste Woche, das Fußballtraining am Abend, das neueste Computerspiel… Dazu kommt eine absolute Überflutung mit Hormonen. Eltern stehen da eher ganz unten auf der Liste.

Mit einem “Ich hatte gehofft, wir könnten dieses Wochenende zusammen Brunchen gehen“ erreichst du mehr als mit „Nie erzählst du mir etwas“. Verabschiede dich von deinem Teenager, wenn er/sie das Haus verlässt oder wenn du gehst. Wenn ihr euch wiederseht, begrüße ihn oder sie. Wenn ihr euch am Morgen das erste Mal seht, begrüße ihn, wenn möglich mit einer Umarmung. Diese Dinge schienen normal zu sein, aber in vielen Familien werden sie vergessen. Die Forschung zeigt, dass Männer, die morgens ihre Frau zum Abschied umarmen, länger und glücklicher leben. Und auch wenn es noch keine Untersuchungen über die Auswirkung auf Kinder und Eltern gibt, kann es doch nicht schaden, seinen Teenager genauso zum Abschied zu umarmen wie seinen Mann oder seine Frau. (Natürlich nicht gerade dann, wenn die Freunde des Teenagers zu Besuch sind und dein Teenie es nicht will – man will ja das Kind nicht in eine peinliche Situation bringen.)

  1. Wenn sich eine Gelegenheit zum Reden ergibt, halte die Ablenkungen möglichst gering.

Auch so ein Punkt, der eigentlich normal erscheint. Aber wenn sich das Kind zu dir ins Auto setzt, solltest du die Radionachrichten ausschalten. So hast du mehr Chancen, dass ihr ins Reden kommt und eure Verbindung stärkt. Wenn dein Teenager von einer Übernachtung auswärts kommt, ist es ungeschickt, Besuch von deinen Freunden zu haben. Das macht es nämlich unwahrscheinlicher, dass dein Teenager erst ein wenig Zeit mit dir verbringt, ehe er oder sie sich wieder an den Computer oder das Handy setzt. Überhaupt, das Handy… Nicht nur die Teenies, auch wir als Eltern sollten uns an ein paar Spielregeln halten, was das Handy betrifft. Mit unseren Kindern zu reden und Zeit zu verbringen ist wichtiger als (nahezu) jeder Anruf. Wozu gibt es Anrufbeantworter und Mailboxen?

  1. Lerne es zu schätzen, wenn dein Teenager dir zeigt, dass er oder sie dich braucht.

Dein Teenager unterdrückt seinen Wunsch nach Abhängigkeit, damit er sich nach außen als möglichst unabhängig darstellen und entwickeln kann. Wenn du für dein Kind da bist, mit all deiner Sicherheit und Wärme, die du ihm geben kannst, dann zeigt ihm das, dass er sich entspannen und fallenlassen kann. Mach dich darauf gefasst, dass er sich zu Hause manchmal kindisch benehmen wird und hab keine Angst, ihn ab und an ein wenig zu knuddeln. Du ermutigst ihn damit nicht, weiter abhängig zu sein, sondern du erlaubst dem immer noch vorhandenen Bedürfnis nach Abhängigkeit, erfüllt zu werden. Keine Angst, dein Teenager bleibt ja nicht für immer von dir abhängig!

 

Dein Teenager wünscht sich eine Beziehung zu dir. Wenn du ihm dieses Bedürfnis aus welchem Grund auch immer nicht erfüllen kannst, wird er versuchen, dieses Bedürfnis von seiner Peergroup erfüllt zu bekommen. Deinen Teenager zu erziehen wird deutlich schwerer, wenn du nicht seine „sichere Basis“ bist, wie die Bindungstheoretiker sagen. Manchmal musst du ein wenig Reparaturarbeit leisten, um zu erreichen, damit die Verbindung zu deinem Teenager wieder gut funktioniert.

 

Veröffentlicht von Bianka

Bianka Bensch, 38 Jahre alt, schreibt als leidenschaftliche Bloggerin neben Attachment Parenting unter anderem einen privaten Blog und den Firmenblog eines Auftraggebers. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten draussen in der Natur mit ihren drei Kindern und ihrem Hund.

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